KartäuserKirche Köln

Geschichte der Kartause Köln

Die Kölner Kartause St. Barbara

1334 wurde in Köln eine Kartause eröffnet. Der Legende nach soll der Kölner Bischof Severin am Bauort im Jahre 397 Zeuge der Engelschöre gewesen sein, die die Seele des soeben verstorbenen heiligen Martin zum Himmel begleiteten

Erst 1334, genau 250 Jahre nach der Ordensgründung, wurde auch in Brunos Geburtsstadt Köln eine Kartause eröffnet. Erzbischof Walram von Jülich bestimmte den Bereich des sogenannten Martinsfeldes als Bauort. Der Legende nach soll der Kölner Bischof Severin dort im Jahre 397 Zeuge der Engelschöre gewesen sein, die die Seele des soeben verstorbenen heiligen Martin zum Himmel begleiteten. Hieran erinnert eine Figur im Straßenzug der Kartäusergasse.

Auf dem Bauland befand sich bereits eine der heiligen Barbara geweihte Kapelle. Die Kartäuser nahmen das zum Anlass, ihre 1393 errichtete Klosterkirche dieser Heiligen zu weihen. Wer an dem prächtigen Eingangsportal in der Kartäusergasse hinaufschaut, sieht Barbara hier verewigt. In den Händen hält sie den Turm, in den sie gegen den Willen ihres Vaters drei Fenster als Zeichen der Dreifaltigkeits und ihres Christseins einbauen ließ, was den Jähzorn ihres heidnischen Vaters erweckte, der sie mit dem Schwert enthauptete. Zusammen mit Ordensgründer Bruno flankiert die Namenspatronin der Kirche die Gottesmutter Maria. 

Viele wohlhabende Bürger wie die Patrizierfamilien Scherffgin, Lyskirchen und Overstolz bedachten die Klosterneugründung mit großzügigen Stiftungen. Aus dem bescheidenen Kloster wurde so allmählich eines der reichsten Kölns. Dennoch hatte der Orden zu keiner Zeit an Disziplin und Frömmigkeit eingebüßt. Der von der Reformation angeprangerte Sittenverfall der Klöster ließ sich auf die Kartausen nicht anwenden. Im 15. Jahrhundert wurde sogar ein Prior der Kölner Kartause, die als besonders vorbildlich galt, auf päpstliches Geheiß zum Abt von St. Pantaleon ernannt. Er sollte der Benediktinerabtei wieder zu Recht und Ordnung verhelfen. 
Die Kartäuser unterstützten - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - die Gegenreformation. Sie unterlagen zwar einem Schweigegelübde und einem Predigtverbot, durch die Herausgabe gegenreformatorischer Schriften konnten sie aber dennoch nach außen wirken. 
Berühmt war die umfangreiche Bibliothek der Kölner Kartause, zu deren Bestand zahlreiche kostbare Handschriften gehörten.

Auflösung der Kölner Kartause

Das Jahr 1794 läutete das jähe Ende der Kölner Kartause ein. Die Revolutionstruppen Napoleons besetzten die Rheinlande. Während der zwanzigjährigen Besatzungszeit wurden unzählige Klöster aufgelöst und säkularisiert, so auch die Kölner Kartause. Die Mönche mussten ihr Kloster Hals über Kopf verlassen. 1802 wurde der Kartäuserorden dann offiziell aufgehoben. 

Die Franzosen nutzten die Räumlichkeiten der Kartause als Militärlazarett. Nach Übergabe der Rheinlande an Preußen ging das Kloster 1816 in den Besitz der preußischen Militärverwaltung über. Unter den Preußen diente die Kartause weiterhin als Lazarett. Rücksichtslos gingen sowohl Franzosen als auch Preußen mit dem architektonischen Erbe der Kartäuser um: Kirche und Kapitelhaus verwandelten sich in ein Artilleriedepot und mussten sogar als Pferdestall und Wagenremise herhalten. Kapellen und Sakristei wurden zum Geschossmagazin umfunktioniert. Der kleine Kreuzgang wurde bis auf den Südflügel abgerissen, vom großen Kreuzgang blieb nur ein Teil des Nordflügels erhalten, der zusammen mit dem verbliebenen Südflügel des kleinen Kreuzgangs als Lazarettwäscherei diente. Auch die am großen Kreuzgang gelegenen Häuschen der Priestermönche wurden dem Erdboden gleichgemacht. 
Als das Militär nach dem Ersten Weltkrieg aus Köln abzog, wurde auch das überflüssig gewordene Militärlazarett in der Kartause geschlossen. Die Reichsfinanzverwaltung - das damalige Finanzamt - bezog das einstige Brüdergebäude der Kartause. 

Evangelische Kartause Köln

Erst unter den Franzosen erhielten die Protestanten das Recht auf freie Religionsausübung. Endlich mussten sie ihren Glauben nicht mehr heimlich ausüben und durften in Köln ihren ersten öffentlichen Gottesdienst feiern. Hieran erinnert eine Gedanktafel in der Schildergasse. Auch die von Napoleon initiierte Säkularisation hatte für die Protestanten nur positive Folgen. Im Jahre 1802 wurde ihnen die ehemalige Kirche des Antoniterordens zugesprochen: die Antoniterkirche Köln. 
Die Kirche des aufgelösten Benediktinerklosters St. Pantaleon wurde 1818 zur evangelischen Garnisonskirche erhoben. Nach Abzug des preußischen Militärs wurde die Pantaleonskirche jedoch 1921 katholische Pfarrkirche und die evangelische Gemeinde im Kölner Süden musste sich nach einer neuen Kirche umsehen. 1922 stimmte sie dem Vorschlag zu, die Kartäuserkirche als Ersatz für St. Pantaleon zu übernehmen. Bis 1928 wurde die Kirche restauriert. Noch im selben Jahr fand der erste evangelische Gottesdienst in der Kartäuserkirche statt. Ein bedeutsamer Wendepunkt in der Geschichte der Kartause, wenn man bedenkt, dass sich die Kartäuser heftig gegen Luther und die Reformation gewehrt hatten. 

Die Bombenangriffe von 1945 sparten auch die Kölner Kartause nicht aus: Die Kirche wurde stark beschädigt, das Kapitelhaus völlig zerstört, die Überreste der Kreuzgänge lagen in Schutt und Asche und vom Brüdergebäude blieben nur die Außenmauern stehen. Umfangreiche Restaurierungs- und Wiederaufbaumaßnahmen standen bevor. 
Nach Zeiten der Zweckentfremdung und Zerstörung ist die Kartäuserkirche heute wieder ein Gotteshaus und - ein Ort der Stille.

Modell von der Kartause im Zustand des Jahres 1929.