KartäuserKirche Köln

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus, 27.1., 18 Uhr, Kunststation St. Peter

Erinnern – Eine Brücke in die Zukunft. Am 27. Januar gedenken wir jedes Jahr der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Dieses Jahr findet die zentrale Gedenkfeier nicht wie üblich an der Antoniterkirche, die derzeit auf Grund von Renovierungsarbeiten geschlossen ist, statt, sondern um 18 Uhr an der Kunststation Sankt Peter, Leonhard-Tietz-Str. 6, 50676 Köln. Anschließend Mahngang zum Gesundheitsamt am Neumarkt. Es sprechen Oberbürgermeisterin Henriette Reker (Grußwort), Maria Ammann, Markus Andreas Klauk, Doris Plenert und Thomas Deres. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Anna Lindbloom und Robert Faust. Bitte melden Sie sich vorab an.

Die Anmeldung für die Teilnahme vor Ort machen Sie bitte über dieses Formular.
Es gilt 2G.

Die Veranstaltung wird auch online gestreamt. Für die Online-Teilnahme melden Sie sich bitte über diese Formular an. Sie erhalten dann ca. 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung einen Zoom-Link.

Aktuelle Infos dazu über www.antonitercitykirche.de
und www.frauengeschichtsverein.de

Dieses Mal richten wir unseren Blick auf die Kölner Gesundheitspolitik während der NS-Diktatur. Grundlegend für sie waren Hitlers Ausführungen in „Mein Kampf“: „Der Staat muss Sorge tragen, dass nur, wer gesund ist, Kinder zeugen darf. Umgekehrt aber muss es als verwerflich gelten, gesunde Kinder dem Staat vorzuenthalten.“ (1925)

Direkt ab 1933 missbrauchen die Nazis das öffentliche Gesundheitswesen für ihre menschenverachtende Selektionspolitik. Ärzt*innen verletzen den im hippokratischen Eid festgelegten Leitgedanken, die Würde jedes einzelnen Kranken zu achten und ihn vor Schaden zu bewahren. Dem Nationalsozialismus dagegen geht es um die „Gesundheit des Volkskörpers“ und um „Rassenhygiene“. Die Ärzteschaft wird zu einer der wichtigsten Säulen zur Durchsetzung der ‚Rasse‘-Politik. Mit dem NS-Ärztebund bildet sie bald die größte Berufsgruppe innerhalb einer Parteiorganisation. Für die Bevölkerung wiederum wird es als Pflicht definiert, gesund und leistungsfähig zu sein,
um dem Staat dienen zu können.

Die Nazis können dabei an Tendenzen anknüpfen, die bereits in der Weimarer Zeit in der Ärzteschaft kursierten. So ist auch ein Kölner Behördenleiter schon in den 1920ern auf sozialdarwinistischem Kurs. Dr. Carl Coerper, seit 1926 Beigeordneter für das Gesundheitswesen, richtet schon bald nach seinem Amtsantritt eine „Eugenische Eheberatungsstelle“ ein.

Am 14. Juli 1933 wird das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses verkündet. Angeblich erbkranke Menschen werden zum Objekt staatlicher Verfügungsgewalt. Bereits ab 1934 werden auch Rom*nja und Sinti*zze auf der Grundlage des Gesetzes vor allem unter der vermeintlichen Diagnose des „angeborenen Schwachsinns“ zwangssterilisiert. Aus den Akten des Erbgesundheitsgerichts Köln geht hervor, dass ca. 4.000 Zwangssterilisationen an Kölner*innen durchgeführt werden, ein Drittel davon allein in der Frauenklinik unter der Leitung von Prof. Naujoks.

Dem „Erbgesundheitsgesetz“ folgt 1939 das „Euthanasie“-Massenmordprogramm. Allein auf dem Westfriedhof liegen etwa 2.000 Euthanasieopfer, die in Heil- und Pflegeanstalten selektiert und durch Gas, Medikamente oder Hunger ermordet wurden.

Zur NS-Gesundheitspolitik gehört die Verfolgung jüdischer wie auch sozialistischer Ärzt*innen und Schwestern und die Diskriminierung jüdischer Patient*innen: Ab 1937 dürfen jüdische Kranke nicht mehr in Städtische Kliniken aufgenommen werden, auch wenn dies teilweise heimlich noch geschieht. Jüdische Ärzt*innen werden ab 1933 aus Stellungen in der Gesundheitsverwaltung, Kliniken und Krankenhäusern gekündigt und seit 1938 durch Entzug der Approbation gänzlich aus ihrem Beruf gedrängt.

Beispielhaft ist das Schicksal der jüdischen Ärztin Erna Rüppel. Sie wächst in Köln auf. Nach dem Abitur studiert sie in Bonn und wird Kinderärztin. Zusammen mit ihrem Mann Hans Rüppel lässt sie sich 1927 in Solingen nieder. Beide führen eine eigene Praxis. Aber Erna Rüppel muss als Jüdin ihre Praxis aufgeben. Auch ihre sogenannte „Mischehe“ wird zum Verhängnis. Wenige Jahre kann sie als „Krankenheilerin“ am Israelitischen Krankenhaus in Ehrenfeld arbeiten. In beeindruckender Weise nimmt sie ihr Schicksal in die eigenen Hände.

Bei der medizinischen Versorgung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die seit Kriegsbeginn aus den besetzten Gebieten nach Köln verschleppt wurden, steht allein die Wiederherstellung der Arbeitskraft im Vordergrund. Nur wenn Aussicht auf Heilung besteht, werden sie behandelt. Ernsthaft zu erkranken bedeutet oft den Tod.

Seit 1948 bekennt das „Genfer Gelöbnis“ des Weltärztebundes: „Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. Die Gesundheit und das Wohlergehen
meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein. Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.“

Das Genfer Gelöbnis ist Teil der Berufsordnung der deutschen Ärzt*nnen. Daran ist auch heute immer wieder zu erinnern.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ – Schwur der überlebenden Männer und Frauen des KZ Buchenwald
von 1945

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